Auch mit 80 immer wieder an der Planche zu sehen

 

Mit stehenden Ovationen und der einhelligen Ernennung zum Ehrenpräsidenten würdigten die Vereinsdelegierten des Nordbadischen Fechterbundes (NFB) am 12. Juli 2007 die sechsjährige Amtszeit von Berndt Peltzer an der Spitze des Verbandes. Eigens aus München angereist war der Degen-Olympiasieger und frühere Weltmeister Volker Fischer, um bei diesem Fechtertag in der Vereinsgaststätte des Polizei-Sportvereins Karlruhe die Laudatio auf den scheidenden NFB-Präsidenten zu halten. Der Präsident des Badischen Sportbundes, Heinz Janalik, dankte in seinem Grußwort dem scheidenden Präsidenten Berndt Peltzer für dessen partnerschaftliche Kooperation. Es gehe ein kompetenter Lotse von Bord, der als guter Geist im partnerschaftlichen Umgang miteinander bezeichnet werden müsse. Aber auch vier Jahre nach diesem „Ruhestand“ ist er noch häufig bei Fechtereignissen zu sehen, dieser stets aktive und in großem Maße erfolgreiche Berndt Peltzer, der  seinen 80. Geburtstag feiert.

 

Schon vor fünf Jahren schrieben ihm Freunde ins geburtstagsamtliche Stammbuch, er könnte genüsslich und mit täglicher Freude seinen Ruhestand genießen, sich, wann immer es ihn dazu gelüstet, mit Ehefrau Rosemie in das geliebte Wohnmobil begeben und ohne jeden zeitlichen Druck die heutige Welt erkunden, schöne Stunden irgendwo im Lande in herrlicher Umgebung verbringen. Aber diese dauerhafte Art der erholsamen Freizeitgestaltung entspricht auch heute noch nicht seinem Naturell. Bis 2007 widmete er als NFB-Präsident beträchtliche Anteile seiner Tage jenem Sport, dem er seit Jahrzehnten verbunden und in dem er als Degentrainer mit herausragenden Triumphen erfolgreich gewesen ist: Dem Fechten gehört die zweite Liebe dieses Berndt Peltzers.

 

Mit großer äußerlicher Ruhe und bewundernswerter innerlicher Einsatzbereitschaft, zudem wie seine Frau mit tiefgründigem Humor ausgestattet, führte er Jahre lang als ehrenamtlicher Präsident den Nordbadischen Fechterbund (NFB), hat darin die gesamte Administration modern strukturiert, ein neuzeitliches Management aufgebaut und die Kontakte zu den Mitgliedsvereinen erheblich intensiviert. In der NFB-Geschäftsstelle im Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim liefen die Fäden zusammen, von dort aus wurde das nordbadische Fecht-Orchester dirigiert.

 

Dieser erfahrene Mann aus Nordrhein-Westfalen fand 1971 als 40-Jähriger den Weg an die Tauber. Zuvor hatte er sich mit gutem Erfolg als Feldhandballer versucht, spielte in der Bayern-Oberliga, entdeckte aber schon 1949 seine unwiderstehliche Neigung zum Fechten. Als Aktiver kämpfte er sich mit dem Säbel in viele Finals bei internationalen Wettkämpfen und wurde mehrfach in der deutschen Nationalmannschaft eingesetzt. Anschließend schlug er die Trainerlaufbahn ein, kam schließlich als Diplom-Fechtmeister nach Tauberbischofsheim.

 

Im dortigen Fechtzentrum erlebte und gestaltete er jene wichtige Zeitepoche mit, die der Einrichtung das wertvolle Prädikat „Medaillenschmiede“ einbrachte. Berndt Peltzer war eine zentrale Figur im gesamten Trainingsgeschehen und in der Wettkampfbetreuung. Schwerpunktmäßig kümmerte er sich um den D-Kader, von dem er nach den Berichten der Experten im heutigen Olympiastützpunkt seine Schützlinge „scharenweise“ in die C- und B-Kader des Deutschen Fechter-Bundes (DFB) „aufsteigen“ ließ.

 

Sein beruflicher Werdegang liest sich recht nüchtern, dahinter stecken aber Ereignisse, die die damalige Fechtszene veränderten und Tauberbischofsheim weltweit ins Rampenlicht dieser Sportart rückten: Von 1973 bis 1986 war Berndt Peltzer hauptamtlicher Landestrainer des Nordbadischen Fechterbundes, sein Dienstort hieß Bundes- und Landesleistungszentrum Tauberbischofsheim. Dann wurde er mit dem 1. Januar 1987 zum Degen-Bundestrainer berufen, mit ihm verbinden sich danach  edelmetallträchtige Zeiten, denn in seiner Ära verzeichnet die Chronik in dieser Disziplin im Einzel eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Seoul, zwei Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille bei Weltmeisterschaften, „seine Mannschaften“ erkämpften eine Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Barcelona, einmal Silber bei den Olympischen Spielen in Seoul, zwei Silber- und eine Bronzemedaille bei Weltmeisterschaften und drei Mal Gold beim Europa-Cup der Landesmeister im Degen.

 

Richard Möll hat in seinem Buch „Die Fecht-Legende von Tauberbischofsheim“ alle wichtigen Stationen des Fecht-Clubs festhalten und ausführlich beschrieben. Auch darin hat Berndt Peltzer den ihm gebührenden Platz. Unter anderem ist auf der Seite 46 ein Bild zu sehen, das einen wahrlich jubelnden Alexander Pusch (der übrigens morgen, am gleichen Tag, seinen 56. Geburtstag feiert) zeigt, wobei im Text angemerkt wird: „Er ist 1978 in Hamburg zum dritten Mal Weltmeister im Degen-Einzel. Mit Pusch freut sich Trainer Berndt Peltzer.“ Im Bild dargestellt wird auch – auf der Seite 56 – die damals beste Degenmannschaft der Welt, die zum siebten Mal als Gewinner des „Coupe d’Europe“ in Heidenheim gefeiert wurde. Natürlich mit Bundestrainer Berndt Peltzer.

 

Seinen 80. Geburtstag wird er nicht nutzen können, um in aller Ruhe in Fotoalben und alten Dokumenten zu blättern, sein erfolgreiches Lebenswerk Revue passieren zu lassen. Dazu wird der Andrang zu groß und auch ein offizieller Empfang ist geplant. Freunde, Weggefährte und viele von denen, die ihm viel zu verdanken haben, werden aber zur Stelle sein, um ihm für seinen unermüdlichen Einsatz zu danken, Glückwünsche zu diesem Ehrentag zu übermitteln und die Hoffnung auf beste Gesundheit auszudrücken. Denen schließen wir uns gern an!     

 

 

 

Den 80. Geburtstag von Berndt Peltzer hat der Deutsche Fechter-Bund (DFB) zum Anlass genommen, um die vielfältigen Verdienste des früheren Erfolgstrainers durch die Verleihung der „Goldenen Ehrennadel“, der höchsten Auszeichnung des DFB, zu würdigen. Wie viele andere Gratulanten auch, stellte der Präsident des Verbandes, Gordon Rapp, der zu dieser Ehrung mit der DFB-Ehrenpräsidentin Erika Dienstl und seinem Vize Daniel Strigel gekommen war, in seiner Laudatio vor allem das reichhaltige Engagement und die persönliche Integrität des Jubilars heraus. Seine großartigen Erfolge blieben für alle Zeit mit dem deutschen Fechtsport verbunden, betonte Rapp weiter. Berndt Peltzer hat auch mehrere Jahre den Nordbadischen Fechterbund geführt und ist heute dessen Ehrenpräsident.

Text und Fotos: Wilfried Jankowski