Lothar Blase folgt Berndt Peltzer nach
Karlsruhe. Mit stehenden Ovationen und der einhelligen Ernennung zum Ehrenpräsidenten würdigten die Vereinsdelegierten des Nordbadischen Fechterbundes (NFB) die sechsjährige Amtszeit von Berndt Peltzer an der Spitze des Verbandes und wählten ebenso einmütig Lothar Blase vom TSV 1846 Mannheim zu seinem Nachfolger. Dessen bisherige Position als Stellvertreter übernimmt Reinhard Berger vom Fecht-Club Tauberbischofsheim. In seiner Abschiedsrede bedauerte Peltzer vor allem den allgemein zu beobachtenden Mitgliederrückgang in den Vereinen, der durch geeignete Werbeaktionen eingedämmt werden müsse. Sein Bedauern drückte er darüber aus, dass die vom Landessportverband Baden-Württemberg eingeforderte „Arbeitsgemeinschaft Fechten“ mit dem württembergischen und südbadischen Fechtverbänden sowie dem NFB und die damit verbundene Anstellung eines hauptamtlichen gemeinsamen Leistungssportkoordinators keine Verbesserung der Situation gebracht hätten. Auch der neue Präsident stufte diese Differenzen als äußerst schwierig ein, er sei nicht sehr optimistisch, ob sie bereinigt werden könnten.

Eigens aus München angereist war der Degen-Olympiasieger und frühere Weltmeister Volker Fischer, um beim diesjährigen Fechtertag in der Vereinsgaststätte des Polizei-Sportvereins Karlruhe die Laudatio auf den scheidenden NFB-Präsidenten zu halten. Die Versammlung nahm mit Genugtuung die Aussagen des Vorstandes entgegen, dass der NFB weiterhin leistungsstärkster Verband im Deutschen Fechter-Bund sei, dass die finanzielle Situation nach der Beitragserhöhung vor zwei Jahren als gesichert angesehen werden könne und dass die Mittel für die Talentförderung eine Erhöhung von 2000 Euro erfahren hätten.
Neben dem Präsidententeam aus Lothar Blase und Reinhard Berger wählten die Delegierten stets einmütig Klaus-Michael Frost vom FC Ravenstein für die Finanzen, Jürgen Poerschke vom FC Mosbach für den Sport, Dr. Julia Ehlermann vom PSV Karlsruhe für den Jugendsport sowie Joachim Braun vom Fecht-Club Tauberbischofsheim für das Lehrwesen in die neue Vorstandschaft. Der jetzt amtierende Präsident bescheinigte seinem Vorgänger, eine gewaltige Kompetenzlücke zu hinterlassen. Das nun in der Verantwortung stehende Gremium brauche Zeit, um das komplette Aufgabengebiet im Griff zu haben. Er bat die Vereine, für diese Anlaufzeit Verständnis zu haben.
Nach der Eröffnung des diesjährigen NFB-Fechtertages durch Präsident Berndt
Peltzer ging der Präsident des Badischen Sportbundes, Heinz Janalik, in seinem
Grußwort vor allem auf den Erfolgsdruck ein, der auf den Fachverbänden laste. Es
zählten nur noch Medaillen; um den Erwartungen gerecht zu werden, sei eine
intensive Zusammenarbeit aller Verantwortlichen das Gebot der Stunde. Nur
dadurch könnten die anstehenden Probleme gelöst werden. Er sprach die
demographischen Veränderungen, die Entwicklung im Schulwesen, auch die
multikulturellen Erfordernisse an, mit denen eine Fülle von Handlungsfeldern
bestehe. Janalik dankte dem scheidenden Präsidenten Berndt Peltzer für dessen
partnerschaftliche Kooperation. Es gehe ein kompetenter Lotse von Bord, der als
guter Geist im partnerschaftlichen Umgang miteinander bezeichnet werden müsse.
Den Reigen der Vorstandsberichte eröffnete Berndt Peltzer, um abschließend vor allem seinen Dank an die Kollegen in dem Gremien und die Vereinsvertreter abzustatten. Alle Fechterinnen und Fechter, deren Trainer und Betreuer hätten durch ihren Einsatz und gute Arbeit dazu beigetragen, „dass wir als Verband diese Vormachtstellung im Deutschen Fechter-Bund bekleiden“. Er wünschte allen auch weiterhin „viel Spaß und Erfolg bei der Ausübung unseres wundervollen Fechtsports“.
Noch als Vizepräsident ging Lothar Blase auf die durch ihn wahrgenommenen Sitzungen sowie Turnierveranstaltungen ein und stellte vor allem den unermüdlichen Einsatz von Rosemie Peltzer heraus, die mit großer Hingabe und Sachkenntnis die Fäden in der Geschäftsstelle in der Hand halte. Das bisher für den Sport zuständige Vorstandsmitglied Daniel Strigel, inzwischen Leiter des Olympiastützpunktes Tauberbischofsheim, brachte seine Freude über zwei Ergebnisse zum Ausdruck: Einmal habe er die Initiative des TSV Mannheim aktiv unterstützt, Ausländern mit ständigem Wohnsitz in Deutschland einen Start bei den Landesverbands-, aber auch DFB-Turnieren zu ermöglichen, weiterhin sei er gespannt auf die erste Umsetzung seiner Idee eines NFB-Sommerfestes anlässlich der Schülermeisterschaften. „Es soll jedes Jahr stattfinden, das Zusammengehörigkeitsgefühl der nordbadischen Vereine stärken und diese Sportart den Eltern, Fechterinnen und Fechtern noch näher bringen.“
Jürgen Poerschke legte für den Bereich Jugendsport eine detaillierte Erfolgsbilanz vor, in der er vor allem die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Landes- und Verbandstrainern in den Vordergrund stellte. Das herausragende Ergebnis im Nachwuchsbereich sei zweifelsfrei der Junioren-Weltmeistertitel von Sandra Bingenheimer (FC TBB) im Damenflorett. „Sie ist ein Beispiel, wie aus einer talentierten Fechterin durch Trainingsfleiß in einem leistungssportlichen Umfeld Weltspitzenleistungen erarbeitet werden können.“ Auch bei den nationalen Höhepunkten der Kadetten hätten die nordbadischen Sportler gezeigt, „dass sie das Spitzenniveau in Deutschland mitbestimmen“. Seine weiteren Ausführungen befassten sich mit der Durchführung der nordbadischen Verbandsmeisterschaften, der Planung, Gestaltung und Durchführung von D-1- bis D-4-Kaderlehrgängen, der erfolgreichen Fortschreibung des Ranglistensystems sowie der Erstellung eines Wettkampfkalenders.

Lehrwart Joachim Braun schilderte Einzelheiten zur Trainerausbildung, deren inhaltliche Ausgestaltung sowohl im theoretischen als auch im praktischen Teil er geplant und durchgeführt habe. Sportspezifisch sei in allen Waffen ausgebildet worden. Auch das Gruppentraining sprach er an, zudem unterstrich er, dass in Zukunft zu der C-Trainerausbildung nur Personen mit ausreichenden Fechtkenntnissen zugelassen würden.
Nach dem ohne Widersprüche abgegebenen Kassenbericht von Klaus-Michael Frost erteilte die Versammlung der gesamten Vorstandschaft ihre Entlastung und wählte einstimmig die neue Spitze des Verbandes. Dem Sportausschuss gehören nach diesem Votum in Zukunft Jürgen Poerschke, Dr. Julia Ehlermann, Joachim Braun, Sabine Danielko, Friderike Oberkircher, Wolfgang Gieger, Tony Zeis, Amrei Jacubowski, Ulrich Eifler, Wolfgang Rost, Ulrich Hannemann und Markus Schmid an. Im Ehrenrat sind nunmehr Tillmann Hettinger, Inge Behr, Friedrich Kirsch, Hand Schindler und Joachim Pfisterer vertreten.
Gelungene Überraschung war zum Schluss das Auftreten von Volker Fischer zum Abschied des inzwischen zum Ehrenpräsidenten gewählten Berndt Peltzer. „Wir kennen uns inzwischen seit 40 Jahren,“ betonte der Olympiasieger, „uns verbinden sehr viele Erfolge“, die Peltzer mit seinen Sportlern errungen habe. „14 Medaillen bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften sind eine großartige Bilanz.“ Der Erfolgstrainer habe sich um den Fechtsport verdient gemacht und er hoffe, dass er für die Degen-Seniorenfechter als Coach auch weiterhin zur Verfügung stehe, wenn sie sich an nationalen und internationalen Meisterschaften beteiligten. Dank an Anerkennung für den Fecht-Club Tauberbischofsheim sprach abschließend Vorstandsmitglied Dr. Sabine Bau an Berndt Peltzer aus: Der Verein sei viele Jahre dessen sportliche Heimat gewesen und habe in dieser Zeit Großes geleistet.
Text und Bilder:WILFRIED JANKOWSKI