Nordbaden weiter führend im deutschen Fechtsport

     Nordbaden weiter führend im deutschen Fechtsport      

Ravenstein. Positive Aspekte im sportlichen Bereich, erhebliche Probleme bei der zukünftigen Finanzierung der Verbandsarbeit auf Grund des allgemein immer deutlicher werdenden Geldmangels, langatmige Diskussionen über die eigenen Geschäftsordnungspraktiken im Zusammenhang mit der neuen Satzung, zum Schluss aber auch die Wahl eines weiterhin stark besetzten und gut funktionierenden Vorstandes, das waren die Eckpunkte beim Fechtertag des Nordbadischen Fechterbundes (NFB), dessen Vereinsvertreter zu dieser Jahreshauptversammlung diesmal im Schloss Merchingen zusammengekommen waren. Die Delegierten beschlossen eine Erhöhung des Verbandsbeitrages um 5,89 Euro, verschoben die Genehmigung einer neuen Satzung um weitere zwei Jahre und wählten erneut Berndt Peltzer aus Tauberbischofsheim zu ihrem Präsidenten.

Nicht alltäglich ist, dass Gäste bei einer solchen Zusammenkunft vom Bürgermeister mit einem Lied begrüßt werden. Für Ravensteins Stadtoberhaupt Horst Weber ist das aber guter Brauch „bei Veranstaltungen, die hier zum ersten Mal stattfinden“. Also sang er vom schönen Ravenstein im Bauland und betonte dann in seinem Grußwort, dass er Fechten für eine wichtige Sportart halte, weil sie junge Menschen auch erziehe. Die Fecht-Clubs in der Region Badisch-Franken seien im Hinblick auf die Nachwuchsförderung eine wichtige Einrichtung und wiesen auch schon beachtliche Erfolge auf: Das werde durch die Silbermedaille von Hannah Roder vom FC Ravenstein bei den Kadetten-Weltmeisterschaften in Linz im Damenflorett deutlich sichtbar.

Nach einem weiteren Grußwort des Sportkreisvorsitzenden Peter Niermaier forderte Björn Ahsbahs, der neue Leiter Leistungssport im Landessportverband Baden-Württemberg, dazu auf, im Leistungssport Gemeinsamkeiten zu nutzen. Es gehe um die Konzentration der Kräfte und darum, die geringer werdenden Finanzmittel so effektiv wie möglich einzusetzen. Bei diesen Gegebenheiten könne es zu einer Konzentration auf Standorte und Sportarten kommen. Er wolle alle Ziele mit den Fachverbänden gemeinsam angehen und das Beste für den Leistungssport herausholen.

 

Bei der anschließenden Ehrung standen zunächst die Olympiateilnehmer des Fecht-Clubs Tauberbischofsheim im Mittelpunkt: Die NFB-Ehrenplakette überreichte Vizepräsident Lothar Blase (Mannheim) an Claudia Bokel, die in Athen mit der Mannschaft die Silbermedaille gewann, und stellvertretend an Daniel Strigel  für das Herrendegenteam mit Jörg Fiedler, Sven Schmid sowie Norman Ackermann, das mit Bronze aus Griechenland zurückgekommen ist. Die Ehrennadel des NFB in Silber erhielten Georg Schmidt-Thomée und Michael Mahler (beide Heidelberg) für herausragende ehrenamtliche Tätigkeit.

  In seinem Geschäftsbericht stellte NFB-Präsident Berndt Peltzer besonders

heraus, dass der

Verband mit den sportlichen Erfolgen weiterhin sehr zufrieden sein könne. „Wir sind immer noch der leistungsstärkste Verband im Deutschen Fechter-Bund (DFB). Das verpflichtet uns jedoch, dass wir auch in Zukunft gemeinsam alle Anstrengungen unternehmen sollten, um diese Position zu behaupten.“

Er nannte in diesem Zusammenhang die acht Olympiateilnehmer des FC TBB, „aber auch bei den Kadetten- und Juniorenweltmeisterschaften Junioren-Weltmeisterschaften bewiesen die Fechterinnen und Fechter aus Nordbaden absolute Weltspitze“. Im Nachwuchsbereich, bei der A-

und B-Jugend, hätte eine ganze Reihe von den so genannten „kleineren Vereinen" Fortschritte gemacht und beachtliche Erfolge erzielt. Sorge bereite ihm der Mitgliederrückgang. „Hier sollten alle Vereine mitwirken, diesen Mitgliederschwund zu stoppen, was natürlich bei den heutigen Freizeitangeboten immer schwieriger wird,“ fügte Berndt Peltzer hinzu.  

Nachdem der Fechtertag beschlossen hatte, beim Tagesordnungspunkt „Erhöhung des Verbandsbeitrages“ in drei Teilen abzustimmen, ging es zunächst um die Weitergabe der Beitragserhöhung des Deutschen Fechter-Bundes um drei Euro pro Mitglied. Diese Notwendigkeit erkannten die Delegierten ebenso an wie die bessere finanzielle Ausstattung der NFB-Geschäftsstelle. Daraus resultiert die Beitragserhöhung von 5,89 Euro.

Schwieriger wurde die Debatte, als es um die Finanzierung eines Leistungssport-Koordinators ging. Dazu lag der Versammlung die Stellungnahme des Vorstandes vor, aus der ersichtlich ist, dass diese Stelle am 1. September 2004 vom Landesausschuss zur Förderung des Leistungssports ersatzlos gestrichen wurde. Jetzt wird angeboten, ab 1. September diesen Jahres 50 Prozent der Gehaltskosten eines gemeinsamen Leistungssport-Koordinators für die drei Landesfachverbände Nordbaden, Baden-Süd und Württemberg zu übernehmen, sofern die drei Verbände ebenfalls 50 Prozent des Gehaltes aufbringen. Diese Konstellation würde für den NFB eine Mehrbelastung von 12300 Euro im Jahr bedeuten, die auch auf die Mitgliedsbeiträge umgelegt werden müsste.

In der ausführlichen Diskussion machten sich die Delegierten intensive Gedanken darüber, wie eine andere Lösung erreicht werden könnte. Und Präsident Berndt Peltzer verwies darauf, dass es bei den bisherigen Gesprächen zu diesem Thema viele Meinungsverschiedenheiten zwischen den drei Landesfachverbänden gegeben habe, es solle aber weiter verhandelt werden. Durch die Ablehnung des Antrages durch die Versammlung muss sich der Vorstand jetzt eine neue Standortbestimmung erarbeiten.

Umfassende Aktivitäten kamen bei den folgenden Berichten der Vorstandsmitglieder zum Ausdruck. Vizepräsident Lothar Blase erwähnte vor allem den Einsatz im letzten halben Jahr: „Nach der Entscheidung des Landessportverbandes, erhebliche Mittelkürzungen beim NFB vorzunehmen, jagte eine Sitzung die andere.“ Zahlreiche Sitzungen, Gespräche und Besprechungen seien durchgeführt worden, außerdem habe er die Pflege der verbandseigenen Homepage übernommen. „Mit besonderer Freude habe ich mitgeholfen, mehrere erfolgreiche Breitensport- und Stützpunktlehrgänge in Karlsruhe, Weinheim und Mannheim zu organisieren.“

Nach den Aussagen der Vorstandsmitglieder Markus Karl (Sport) und Jürgen Poerschke (Jugend) sei es gelungen, den positiven Trend eines offenen und vertrauensvollen Klimas im Nordbadischen Fechterbund fortzusetzen. „So sind gerade unsere Ranglistenturniere und nordbadischen Meisterschaften faire Wettkämpfe, in denen die Entwicklung unseres Fechtnachwuchses im Mittelpunkt steht. Dies war nicht immer so und wir sollten alles unternehmen, um dieses Klima weiter zu pflegen,“ heißt es in ihrem Bericht weiter. Durch den Wegfall des Leistungssport-Koordinators sei eine immense Mehrbelastung auf die NFB-Geschäftsstelle zugekommen, die ohne diesen hervorragenden Einsatz nicht hätte kompensiert werden können.

Lehrwart Joachim Braun ging auf die C-Trainerausbildung innerhalb des NFB ein. In den vergangenen zwei Jahre habe er sie einmal jährlich ausgeschrieben, die inhaltliche Ausgestaltung sowohl im theoretischen als auch im praktischen Teil geplant und durchgeführt. „Sportspezifisch wurde in allen Waffen ausgebildet“, des Weiteren sei ein Gruppentraining für die allgemeine sportliche Ausbildung in Form von Frontalunterricht, Ballspiel-Sportarten, allgemeines Fitness-, Schnelligkeits-, Ausdauer-, Koordinations- und Regenerationstraining im Kinder- und Jugendbereich durchgeführt worden. Nach der Verbesserung des Informationsflusses hätten 21 Personen an einem C-Trainer-Lehrgang teilgenommen. Für das kommende Jahr werde ein weiterer Kampfrichterlehrgang angeboten, der eventuell parallel zu einem D3-/D4-Kaderlehrgang laufen könne.

Nach der Darstellung der finanziellen Situation des Verbandes durch Klaus-Michael Frost kam es zu einer einhelligen Entlastung des Vorstandes, die anschließende Neuwahl brachte folgendes Ergebnis: Präsident Berndt Peltzer, Vizepräsident Lothar Blase, Finanzen Klaus-Michael Frost (Ravenstein), Sport Daniel Strigel (Tauberbischofsheim), Jugend Jürgen Poerschke (Mosbach) und Lehrwart Joachim Braun (Tauberbischofsheim).    

Text und Fotos: Wilfried Jankowski